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Ebenso wie Berlin nicht nur an der Spree, sondern auch an der Havel und an der Panke liegt, so hat die Stadt Oxford ihre Ufer an der Themse und an denen des Flusses Cherwell. Das Foto zeigt die herbstliche Stimmung am Cherwell, auf dem im Sommer die flachen Punting-Boote der Studenten und Touristen gestakt werden. Dabei geht es an mehreren College-Gebäuden vorbei. Darunter ist das junge Wolfson-College.  Der aus Riga stammende russisch-britische Philosoph Isaiah Berlin (1909-1997) war 1966 dessen Gründungspräsident. Er hatte in St. Petersburg die Februar- und dann die Oktober-Revolution erlebt. Seine jüdische Familie war dann aber 1921 nach England gezogen. Im November 1945, trafen sich die unter Stalin unterdrückte Dichterin Anna Achmatowa (1889-1966) und der junge britische Diplomat Isaiah Berlin im vom Krieg gezeichneten Leningrad, früher St. Petersburg, dem sie einige Gedichte widmete. Der ungarische Schriftsteller György Dalos schrieb darüber den Roman „Der Gast aus der Zukunft“ (1996/2002). Zwanzig Jahre später kam Achmatowa nach Oxford, wo sie auf Veranlassung von Berlin die Ehrendoktorwürde erhielt. Dort sprach sie in russischer Sprache dieses Gedicht: 

https://podcasts.ox.ac.uk/anna-akhmatova-reading-her-poems-about-isaiah-berlin-oxford-1965

Zu Ehren des politischen Philosophen und Vertreters einer offenen Gesellschaft Isaiah Berlin werden jährlich Vorträge in Riga veranstaltet: https://isaiah-berlin.wolfson.ox.ac.uk/Riga . Berlin mahnt damals wie heute: „Let me reiterate: liberty in on sense is basic, the one value which is presupposed by all others in human life – without that no choice, no action, subject or object of moral thought; in my sense, no humanity” (an den amerikanischen Philosophen Henry S. Richardson, 20.04.1988).

 

 

Montag, 19 September 2022 16:47

Das zweite Elisabethanische Zeitalter ging zu Ende

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Selten erlebt man historische Persönlichkeiten und Momente so direkt wie in diesen Tagen der Trauer um Königin Elisabeth II.. In London waren in Trauer vereint Alt und Jung, und zu der Trauerfeier am 19. September 2022 kamen Repräsentanten aus aller Welt. Es gibt einen neuen König, Charles III., aber die Probleme, insbesondere der Krieg in der Ukraine, die globale Wirtschaftskrise und der Klimawandel bleiben. Ein Blick in die Geschichte, hier Großbritanniens, erscheint dennoch sinnvoll.

In der Zeit der englischen Königin Elisabeths I., 1533 geboren, Herrscherin 1559-1603, einer gebildeten und energischen Herrscherin, erlangte England globale Bedeutung. Die Schiffe der Königin, darunter die des Seefahrers Walter Raleigh, erkundeten neue Länder und errangen militärische Stärke auf den Weltmeeren. 1588 wurde die spanische Armada geschlagen und erlitt an der Küste Irlands Schiffbruch. Wie in der Gegenwart war die politische Elite in jener Zeit zerrissen und voller Intrigen. Andererseits ging es wirtschaftlich bergauf, und mit William Shakespeare und anderen Zeitgenossen erwarben sich die englische Literatur und das Theater dauerhafte Weltgeltung. Das goldene Elisabethanische Zeitalter dauerte immerhin 44 Jahre.

Elisabeth II., 1926 geboren, war Königin des Vereinigten Königreichs seit 1952. Sie starb am 08.September dieses Jahres, nachdem sie wenige Monate zuvor noch ihr 70-jähriges Jubiläum feiern konnte. Noch zwei Tage vor ihrem Tode hat die „Queen“, wie sie auch weltweit genannt wurde, die neue Premierministerin mit der Regierungsbildung beauftragen können. Sie war eine integre Persönlichkeit und Monarchin, die aus christlicher Gesinnung und hohem Verantwortungsethos – aber ohne wirkliche Macht – wirkte. Ihre vorbildhaft einende Lebensleistung fand leider wenig Nachahmung in der herrschenden politischen Elite Großbritanniens, die aber über kein Empire mehr verfügt. Diese Elite, wesentlich verantwortlich für den Brexit, muss sich angesichts der wirtschaftlichen Probleme damit trösten, dass ihre Sprache, das Englische, die Welt beherrscht. Es ist nur zu hoffen, dass Charles III. das Werk seiner Mutter in einer unruhigen Welt fortsetzen kann.   

Europäische Possen angesichts eines blutigen Krieges: Wladimir P. mag trotz der Probleme, die ihm die widerspenstigen Ukrainer bereiten, auch manches Mal grimmig schmunzeln: Anlass dazu geben ihm seine anderen europäischen Nachbarn zur Genüge. Die EU mit ihrer langandauernden Diskussion, ob und wie und wann ein Ölembargo gegen Russland verhängt werden sollte. Die deutsche Bundesrepublik, vertreten durch die Verteidigungsministerin, zeigt in den Medien aller Welt, wie verteidigungsunfähig die Republik gegenwärtig ist.  Abgesehen von dem sybillinischen Schweigen des Bundeskanzlers muss das Engagement der Ministerin für ihre Truppe als lustlos bezeichnet werden  –  und das angesichts deren abnehmender Einsatzfähigkeit und der gerade beschlossenen hohen Aufstockung des Wehretats (wegen des Krieges in der Ukraine). Aber es gibt noch die fortlaufende politische Posse in London: Als Ergebnis einer langen Untersuchung der „Partygate-Affäre“ (Aufdeckung der vielen Parties während des Lockdowns in Whitehall), die eine hohe britische Beamtin – neben der Londoner Polizei – anstellte, wurde den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Regierung Johnson und ihm selbst grobe Verstöße gegen die Covid-Schutzbestimmungen bescheinigt. Zugleich wurde festgestellt, dass im Regierungszentrum des Vereinigten Königreiches massenhaft gegen den dort selbst aufgestellten ethischen Verhaltenskodex verstoßen wurde. Die Polizei verhängte Geldstrafen, auch gegen den Premierminister. Was tat daraufhin der Regierungschef? Er änderte prompt den Verhaltenskodex, der künftige Verstöße verniedlicht und somit Rücktritte von Ministern oder Premier unwahrscheinlicher werden lässt. Vom Rücktritt des Premiers, den sogar Viele in seiner konservativen Partei fordern, keine Spur, von Scham ebenso wenig. Dafür viel Fremdscham. Ob Boris Johnson bei seinen regelmäßigen Treffen mit der Queen ihr noch in die Augen schauen kann?

Freitag, 27 Mai 2022 17:39

Krieg in Osteuropa

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Der russische Präsident Putin setzte im Februar seine Panzerkolonnen in Richtung Westen in Marsch, um den russischen Machtbereich zu erweitern. Trotz wirtschaftlicher Sanktionen, heftiger Gegenwehr der Ukrainer und westlicher Waffenlieferungen hat er größere Teile der Ostukraine besetzen können. Völkerrechtliche Verträge und Menschenrechte hat Putin missachtet und Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Keiner kann zur Zeit vorhersehen, ob sich der Konflikt begrenzen, geschweige denn schnell mit diplomatischen Mitteln beenden lässt. Das ist die bittere Bilanz nach einem Vierteljahr in Europa. Die Erfahrungen nach zwei Weltkriegen im langen 20. Jahrhundert wurden nicht beherzigt. - Es gilt, das Handeln des Autokraten und Menschen Wladimir Putin, der sich auf eine Elite aus Oligarchen, Geheimdiensten und Militär stützt, zu ergründen und ihn zum Frieden zu bewegen. Das politisch, wirtschaftlich und kulturell wichtige Land Russland muss wieder in die Völkergemeinschaft mit ihren Regeln zurückkehren. 

Der Rückgriff auf die Geschichte ist wieder einmal nützlich. Der britische Historiker Richard J. Evans, durch seine dreiteilige Geschichte des Dritten Reiches bekannt geworden, hat in THE NEW STATESMAN (April 2022) das Verhalten von Putin mit dem von Hitler und Stalin verglichen und die Unterschiede betont. Auch die Frage, ob es sich um Völkermord in der Ukraine handelt, hat Evans diskutiert und bejaht: 

https://www.newstatesman.com/international-politics/2022/04/why-putins-war-in-ukraine-turned-into-a-military-disaster Hier die Schlusspassagen des Essays in deutscher Übersetzung:

Sowohl Hitler als auch Putin wurden zu ihren tödlichen Vorstellungen von Gefolgsleuten ermutigt, die kein kritisches Wort über ihre jeweilige  Politik äußerten. Sowohl bei Putin als auch bei Hitler führte die Ideologie – bei dem Einen der nationalistische Glaube an den russischen Charakter der Ukrainer, bei dem Anderen der dogmatische Glaube an die Überlegenheit der „arischen Rasse“ -  zu einem übersteigerten Selbstvertrauen. Das führte schließlich zu demütigenden Niederlagen. Putin hat den Angriff auf die Ukraine mit der Behauptung begründet, die „Nazis“ in der ukrainischen Regierung würden die Vernichtung der Russen in der östlichen Donbas-Region anstreben. Aber hier endet bereits die Ähnlichkeit zwischen den beiden Diktatoren. Putin betrachtet den Zusammenbruch der Sowjetunion als nationale Katastrophe und will das Russland der vorherigen Jahre wiederherstellen. Er will dabei jene Nachbarländer „absorbieren“, denen er die Selbständigkeit abspricht. Hitlers Ziele waren – im Gegensatz zu Putins – nicht auf eine Ecke von Europa begrenzt. Er beanspruchte über die Rücknahme der Gebietsverluste durch den Vertrag von Versailles (1919) und regionale Hegemonie hinaus noch mehr. Hatte er doch bereits am 05. November 1930 seinen Anhängern zugerufen, dass kein Volk mehr als das deutsche Volk ein Recht darauf hätte, den Plan zur „Weltherrschaft“ zu verfolgen. Für Hitler war also der Einmarsch in die Sowjetunion nur ein Schritt in Richtung einer „Weltherrschaft“. Er fühlte sich für Deutschland angeblich verraten durch Sozialisten und Juden durch den „Dolchstoß“ im Ersten Weltkrieg. Putin glaubt, dass die russische Nation sowohl 1917 als auch nach 1989 von jenen Führern verraten wurde, die die Integrität des Landes aufgegeben hätten. Somit sind die Völkermorde als die Ergebnisse sowohl bei Hitlers als auch bei Putins Bemühungen um Revision zu sehen. Dass Hitler dabei geplant hatte und Putin nicht, ändert nichts am Schrecken, der heute in der Ukraine herrscht.

Donnerstag, 14 April 2022 19:11

Frühling 2022

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Auf die Kriegslage in der Ukraine und deren internationalen Auswirkungen nicht einzugehen, ist schlicht unmöglich. Nicht nur das große menschliche Leid wird uns durch die Medien ins Haus getragen. Darin wächst auch die Angst vor dem Übergreifen der Kriegshandlungen auf die direkten Nachbarstaaten. Hierzu passt die Stimme von Helmut Müssener aus Schweden, der die beiliegende Ansprache in seiner Heimatstadt Östhammar hielt. Sie spiegelt die wachsenden Sorgen der bisher neutralen Länder Finnland und Schweden (in Schwedisch, Englisch und Deutsch): https://www.dropbox.com/sh/42e2jyeoxdgcf6z/AADgWUTtCDqdYGoQGGYkSrqza?dl=0

Die ideologischen Hintergründe des Krieges werden deutlich in dem Interview, das die renommierte englische Zeitschrift NEW STATESMAN  im April 2022 mit Sergej Karagonow, einem ehemaligen engen Berater von Präsident Putin, führte. Er spricht von einem Stellvertreterkrieg zwischen dem Westen und dem Rest der Welt („proxy war between the West and the rest“): https://www.newstatesman.com/world/europe/ukraine/2022/04/russia-cannot-afford-to-lose-so-we-need-a-kind-of-a-victory-sergey-karaganov-on-what-putin-wants

Die deutsche Bundesregierung spricht zu Recht von einer „Zeitenwende“.  

Und trotz alledem – auch trotz Corona - kommt der Frühling wieder ins Land. Mein Interesse galt dieses Mal den Schmetterlingen und Zugvögeln. Diese Lebewesen begeistern mich durch ihre Anmut und durch ihre Möglichkeiten, sehr große Entfernungen zu überwinden. Es muss nicht unbedingt ein Fernrohr benutzt werden, wenn man jetzt Vögel und Pflanzen in ihrer Entwicklung beobachtet. Es ist immer wieder erstaunlich, zu welchen Leistungen Schmetterlinge und Zugvögel fähig sind: https://naturdetektive.bfn.de/lexikon/tiere/insekten-spinnen/distelfalter-eine-unglaubliche-reise.html

Ein weiteres positives Zeichen: Neues Leben entsteht in Deutschland durch die sogenannten Mini-Wälder (Tiny Forsts). Um dem Waldsterben (s.u. Eintrag vom 21.Mai 2020 über die „Kulturlandschaft Wald“) die Stirn zu bieten, sind ganze Schulklassen dabei, die Ideen des japanischen Botanikers und Pflanzensoziologen Akira Miyawaki (1928-2021) umzusetzen: Miniwälder für das Klima, die aus vielen verschiedenen, standortpassenden Baumarten bestehen. In dem Hallenser Landschaftsökologen Bernd Reuter hat Miyawaki einen Nachfolger gefunden, der mit Schülern in Schkopau die ersten Miniwälder in Sachsen-Anhalt gepflanzt hat; vgl. Mitteldeutsche Zeitung vom 25.03.2022: https://www.mz.de/mitteldeutschland/saalekreis/schuler-der-sekundarschule-schkopau-pflanzen-miniwalder-fur-das-klima-3356246?reduced=true

Einen schönen Frühling, einen sonnigen Sommer und einen baldigen Frieden in Europa wünscht sich und Euch allen Euer Ekkehard!

Samstag, 12 März 2022 17:51

Russia - Ukraine

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Russland – Ukraine – Europa: Man kann getrost „Welt“ hinzufügen. Der Krieg, den Russland gegenwärtig gegen den kleinen Nachbarn führt, berührt durch seine humanitären - Tod und Vertreibung – und durch seine ökonomischen Dimensionen – Sanktionen und Energieversorgung – den ganzen Globus. Die ohnehin zerbrechliche Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit, die die Grundlage für internationale Politik sind, korrodieren infolge von falschen und widersprüchlichen Erklärungen und Verhaltensweisen der russischen Regierung. Eine Großmacht mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin an der Spitze, versucht, mit Gewalt ihre Interessen durchzusetzen. Völkerrecht wird gebrochen. Die bitteren Lehren von zwei Weltkriegen scheinen zu Makulatur erklärt worden zu sein.

Die folgenden Notizen stammen aus mehreren Quellen und wurden auch deshalb in Englisch formuliert.   

Fake news everywhere? After the disastrous and unethical policy of the American president Donald Trump we experience the unethical behaviour of a Russian president. Step by step we are learning that not only politicians in the West got false news from the Russian government. Even ordinary people in Russia got false informations about the situation in Ukraine. What was worse and still is the disinformation of Russian soldiers who were told to go to Ukraine and fight Nazism-Fascism. The truth is that Ukraine is not a Fascist state and did not start the present war. Isn’t it true that there is only one man, Vladimir Putin, who set on the fire of war because he wants to re-establish a Russian empire? Isn’t it true that ordinary people in Ukraine, children, women and men, are being killed? Isn’t it true that Russian soldiers are also dying? Isn’t it true that not only the Ukrainian but also the Russian ordinary people are or will be suffering from the war? The truth is that Russian women cannot forget and forgive that so many of their husbands and sons were killed in Afghanistan and elsewhere. So why is this war at all?

Swiss author Max Frisch and prescience: Read Ann O’Kelly’s Irish perspective of a well known story: Our Russian friend and our reaction to recent events reminded me of Max Frisch’s Biedermann und die Brandstifter (The Fireraisers), which story I remember reading in Max Frisch’s Tagebuch many years ago. 

It’s very apt for today: Biedermann (Mr Everyman, Mr Citizen) allows this homeless guy to live in his attic, yes it’s a bit worrying to have this guy in the attic, but one has to be nicey-nice - and sieh da, next day the house is still standing. And then the first guy brings along a friend, who is just out of prison, and yes, imprisoned for arson, that’s worrying, but sieh da, next day the house is still standing. And then they start bringing in little barrels and they drop one and it suddenly smells like petrol. So you ask what is the petrol for? And the prison guy says he wants to burn the city down – what a joker – and he’s waiting for the wind to be in the right direction. But sieh da, next day the house is still standing, and you invite them to breakfast, and the prison guy is hanging out the window judging the wind direction and the other guy has gone to get wood chips. So you invite them to supper instead and open a few bottles of wine and they ask you for matches, but you don’t give them, you just light their cigarettes, not that wanting matches is at all suspicious. But as they leave after the third bottle and you are saying that we all should trust one another, they ask again for matches, and you give them the matches, as a real arsonist would of course have his own matches - and sieh da, next morning, you are burned to cinders and can’t even be amazed at this turn of events… 1948 that’s from and Frisch calls it a Burlesque – made it into a play later… Oh dear. Prescient…. (London, 04 March 2022)

Solidarity with Ukraine: Help where you can and show your sympathy with Ukraine. Look and hear how Western musicians declared their solidarity: https://www.youtube.com/watch?v=EDkV_vyA8wM

Montag, 24 Januar 2022 14:54

Großreinemachen - Spring-Clean

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Port Meadows Oxford

Großreinemachen scheint die Devise in diesem Januar 2022: Das Bild zeigt eine Protestdemonstration, die sich am gestrigen 23.Januar in Port Meadows (Oxford) gegen die Verschmutzung der Themse richtete. Englands großer Fluss ist an diesem grünen Rand der Universitätsstadt normalerweise Zielort von Wanderern, von Paddlern und Ruderern. Er dient aber auch – wie in diesem im Januar - unerschrockenen Engländerinnen und Engländern dem Schwimmen in freier Natur. Nur war es vielen von ihnen zu viel geworden, den Resten menschlicher Aktivitäten im Fluss zu begegnen. Die Verschmutzung durch unkontrolliertes Einleiten von Abwässern - man kennt dies auch gelegentlich in Deutschland – tut weder den Menschen noch den Tieren in und über dem Fluss gut.

Im politischen Sinne droht ein Großreinemachen den Briten in Westminster, seitdem sich der Skandal um die Corona-Parties in Downing Street Nr. 10 ausgeweitet hat und massiver Protest bei vielen Parlamentariern und in den Medien entwickelt hat. Man denke nur an die erneute Veröffentlichung eines Fotos, das die Queen mutterseelenallein – den Corona-Restriktionen folgend - bei der Trauerfeier für ihren langjährigen Ehemann Prinz Philipp im April 2021 zeigte. Gleichzeitig feierte man am Amtssitz des britischen Premierministers lockere Feste. Die Nation war entsetzt. Boris Johnsons Ansehen als Politiker sank auf einen Tiefpunkt, und sein Verbleiben im Amt steht seitdem auf der Kippe.

Freitag, 17 Dezember 2021 18:31

Alle Jahre wieder

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Weihnachten als Fest der Nächstenliebe, aber nicht nur das der Christen. Auch nicht nur das Fest der Wohlhabenden, sondern auch der Armen, denen unsere Solidarität gelten sollte. Erst recht ist Weihnachten ein Fest der Kinder, die der Zuwendung der Erwachsenen bedürfen, aber nicht nur am Weihnachtstag! 

Inmitten von neuen Wellen der Corona-Pandemie, der Klimakrise und politischen Gefahren (im Osten Europas) wandern immer noch viele Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten in Richtung Westeuropa, um Wohlstand und Sicherheit zu erlangen. Die Medien berichteten ausführlich über die sogenannten Gestrandeten an der polnischen Ostgrenze. Darunter viele Kinder und Jugendliche, die unter unmenschlichen Bedingungen eine Herberge suchen. Es ist nur ein Beispiel von vielen. Man denke nur an jene Kinder, die in den riesigen Zeltsiedlungen im Nahen und Mittleren Osten leben müssen.  Auf deren Elend machte im Oktober die Theatertruppe "Handspring Puppet Company" unter dem Motto "AMAL MEETS ALICE" im Zentrum von Oxford aufmerksam. Die kleine Amal ist ein junges Flüchtlingskind in Gestalt einer riesigen Puppe. Sie trifft auf das englische Mädchen Alice, das jeder in Oxford als das Kind im Wunderland kennt. Beide wandern symbolisch gemeinsam mit ihren Erinnerungen und Hoffnungen durch die Stadt. Amal steht dabei stellvertretend für all jene Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden. Amal reist mehr als 8.000 Kilometer durch Europa - von der syrisch-türkischen Grenze  bis zur englischen Stadt Manchester: Diese epische Reise "THE WALK" wurde in Form einer Prozession von Tänzerinnen und Musikern dargestellt, um die Geschichte zweier miteinander verbundenen und von einander lernenden Kindern aus verschiedenen Welten darzustellen.- Auf das realistische, millionenfache Elend der Flüchtlingskinder weist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen hin: UNICEF . Denken wir nicht nur an unsere, der Älteren, Wünsche, sondern vor allem an die Sehnsucht der Kinder und Jugendlichen in aller Welt nach Sicherheit, Geborgenheit und Entfaltungsmöglichkeiten. Wir sind es ihnen schuldig.

Dienstag, 16 November 2021 12:03

Remembrance Day - Volkstrauertag 2021

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Gedenken diesseits und jenseits des Ärmelkanals. Die Erinnerung an den Ersten, den Großen, Weltkrieg ist in Großbritannien stärker im öffentlichen Bewusstsein verankert. Die Erinnerung an die Opfer des Zweiten Weltkriegs wird in Deutschland zusammen mit dem Gedenken an die Opfer des Holocausts wachgehalten. Einige Gedanken bei der Feier in Oxford gingen zu den Kriegstoten der Familie Henschke, die in Frankreich und England liegen.

What impressed me most was the presence and the words of the representatives of the Church of England as well as those of the Oxford Jewish Community, the Muslim, the Hindu, the Quaker and the Humanist Communities. They represented the great diversity of Oxford’s population and solemnly showed their loyalty to Great Britain and its Queen. Led by the Lord Mayor of Oxford and framed by the military they all paid their tributes to the dead and laid down their traditional wreaths of poppies on the War Memorial. At the end of the First World War the poppy was the first flower to be seen in the mud of the Western Front amidst the devastation and desolation of the landscape of Flanders. The Royal British Legion adopted it in 1929 as a symbol of remembrance, sacrifice and hope after the first Armistice Day service took place on the 11 November 1919 on the grounds of Buckingham Palace.

It has always been a moving event. This time I went there to remember in silence my father and my uncle, my godfather. But could these two German soldiers, who fought and died in France and in the air over Great Britain, be equally remembered in Oxford as in Germany? After 1919 German politicians discussed the painful outcome of the First World War and wanted to remember the dead soldiers. In 1952 the so called “Volkstrauertag” was established as the day of mourning and ever since remembers the dead of all wars and all victims of violence.

Donnerstag, 21 Oktober 2021 15:53

Satire und Realsatire in Vergangenheit und Gegenwart

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Das Vergnügliche zuerst: Aus Leipzig erhielt ich gerade das Buch „Freie Spitzen“, das sowohl voller Erinnerungen des Kabarettisten Bernd-Lutz Lange als auch prall gefüllt ist mit Witzen aus der „schlechten alten Zeit“ des Sozialismus. Der Leipziger Graphiker Egbert Herfurth hat dazu die passenden, hintersinnigen Illustrationen beigesteuert. Beide wuchsen als „Kriegskinder“ auf, erlebten und notierten, wie sich das Volk „hinter dem Eisernen Vorhang“ mit bissigem  Humor vom inneren Druck frei machten. Die Russen und die Polen ebenso wie die Bulgaren, Rumänen, Ungarn und die Deutschen taten es jeweils auf ihre Weise – und mussten oft genug dafür bis zum großen Umbruch um 1990 büßen. Das Buch ist sehr lesenswert, wenngleich mir oft das Lachen im Halse stecken blieb. Auch weil manche Witze dem Berliner Volksmund von heute entstammen könnten.

Eine fortlaufende Realsatire wird gegenwärtig in der Stadt an der Spree geboten, bei der sowohl die handelnden Politiker als auch die strapazierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung mitwirken - und die Berliner und ihre Gäste für menschliches und strukturelles Versagen büßen müssen. Die gerade griffig wirkenden Hieb- und Stichwörter sind  „Wahlpannen“ und „Flughafen“. Hier ein paar Wortmeldungen: aus dem Berliner „Tagesspiegel Checkpoint“ vom 20. Oktober 2021:

„Es gibt in Berlin so etwas wie eine kollektive Verantwortungslosigkeit.“
„Die Verwaltung ist heute schlechter aufgestellt als jede Kreissparkasse.“
Inkompetenz gibt’s auf allen Ebenen.“ „Es geht nicht alles schief. Aber es gibt strukturelle Probleme.“

Und nun ratet mal, wer hier zitiert wurde? Es war Klaus Wowereit, der bis 2014 die Stadt an der Spree regierte und nun statt Verwaltungsreformen gar eine Revolution im demokratischen Berlin fordert. Er hatte vorher dreizehn Jahre Zeit dafür …

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